AWB NEWSLETTER US Special Nr. 02/2025
Präsident Trump setzt seine wirtschaftspolitische Agenda mit Nachdruck um. Sein bevorzugtes handelspolitisches Instrument bleibt somit die „Zollkeule“. Bereits Anfang Februar hat er neue Zölle auf Importe aus Kanada, Mexiko und China eingeführt, die erhebliche Auswirkungen auf den internationalen Handel haben.
Zölle gegen Kanada und Mexiko: Inkrafttreten nach Aussetzung
Am 1. Februar 2025 unterzeichnete Trump ein Dekret, das 25 % Zölle auf alle Waren aus Kanada und Mexiko vorsieht. Für kanadische Energieprodukte wurde zunächst ein geringerer Satz von 10 % festgelegt. Diese Maßnahmen sollten ursprünglich ab dem 4. Februar gelten, wurden jedoch für 30 Tage ausgesetzt. Nun sind die Maßnahmen am 4. März in Kraft getreten.
China im Visier
Anders verlief es für China: Die bereits angekündigten 10 % Zölle wurden durch ein weiteres Dekret vom 3. März 2025 nochmals drastisch verschärft. Seit dem gelten nun Zölle von 20 % auf sämtliche chinesischen Importe. Dies betrifft insbesondere den Technologiebereich, Maschinenbau und Konsumgüter, wodurch sich die ohnehin angespannte Lage im Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter zuspitzt.
Mögliche Vergeltungszölle aus Kanada, Mexiko und China
Die betroffenen Länder haben bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. Kanada hat signalisiert, dass es US-Importe im Wert von 155 Milliarden US-Dollar mit eigenen Zöllen belegen könnte, insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft und Maschinenbau. Mexiko plant, landwirtschaftliche Produkte aus den USA mit höheren Zöllen zu belegen, was insbesondere für US-Exporteure von Fleisch und Getreide problematisch werden könnte. China hat ebenfalls Vergeltungszölle angekündigt und belegt US-Technologieimporte mit zusätzlichen Abgaben. Diese Gegenmaßnahmen werden nicht nur den transatlantischen Handel belasten, sondern auch Auswirkungen auf die EU haben. Europäische Unternehmen, die in Kanada oder Mexiko für den US-Markt produzieren, könnten durch die neuen Zölle Wettbewerbsnachteile erleiden. Darüber hinaus könnte eine verstärkte Umleitung chinesischer Exporte nach Europa zu einem verstärkten Preisdruck auf europäische Unternehmen führen, insbesondere in der Stahl- und Maschinenbaubranche.
Kupfer- und Holzimporte unter Beobachtung
Mit einem Dekret vom 25. Februar 2025 hat Trump das Handelsministerium beauftragt, die nationale Sicherheitsabhängigkeit von Kupferimporten zu analysieren. Innerhalb von 270 Tagen soll ein Bericht vorgelegt werden, der Maßnahmen zur Stärkung der inländischen Kupferversorgung empfiehlt. Kupfer ist essenziell für zahlreiche Industrien, darunter Elektromobilität, Energieinfrastruktur und Rüstungsproduktion. Eine mögliche Einschränkung von Kupferimporten könnte erhebliche Auswirkungen auf internationale Märkte haben und insbesondere Länder wie Chile oder die EU treffen, die bedeutende Lieferanten für den US-Markt sind.
Neben diesen Maßnahmen richtet sich Trumps protektionistische Wirtschaftspolitik zunehmend gegen den Holzsektor. Ein am 1. März 2025 unterzeichnetes Dekret sieht eine stärkere Förderung der US-Holzwirtschaft vor. Dazu gehört eine Erleichterung der Abbau- und Genehmigungsverfahren für die heimische Forstwirtschaft, um die inländische Produktion von Bauholz zu erhöhen. Zudem hat das Handelsministerium die Aufgabe erhalten, Holzimporte aus Ländern wie Kanada, Brasilien und Deutschland auf mögliche Sicherheitsrisiken zu untersuchen. Es besteht die Möglichkeit, dass auch hier Schutzzölle verhängt werden, was insbesondere Deutschland als wichtigen Holzexporteur treffen könnte.
Schutz vor Digitalsteuern: Gegenmaßnahmen in Planung
Am 21. Februar 2025 unterzeichnete Trump ein Memorandum, das Maßnahmen gegen die Digital Services Tax (DST) prüfen lässt, die von mehreren Ländern, darunter Frankreich und Deutschland, erhoben wird. Die US-Regierung betrachtet diese Abgabe als gezielte Belastung für große amerikanische Technologieunternehmen wie Google, Amazon und Meta. Als Reaktion erwägt die US-Regierung wirtschaftliche Sanktionen oder Zölle auf Importe aus Ländern, die solche Steuern erheben, um US-Unternehmen zu schützen.
„America First Investment Policy“: Einschränkungen für China
Ebenfalls am 21. Februar 2025 verabschiedete Präsident Trump die „America First Investment Policy“. Diese zielt darauf ab, ausländische Investitionen von Verbündeten und Partnern weiterhin zu fördern, während chinesische Investitionen in strategischen Sektoren wie Technologie, Infrastruktur, Gesundheitswesen und Energie stark eingeschränkt werden. Die US-Regierung begründet dies mit nationalen Sicherheitsinteressen und dem Schutz vor chinesischer Technologieabschöpfung. Kritiker argumentieren jedoch, dass diese Maßnahmen auch protektionistische Züge tragen und darauf abzielen, Chinas wirtschaftlichen Einfluss zu begrenzen. Die Auswirkungen auf Europa könnten beträchtlich sein: Während europäische Investoren in den USA willkommen bleiben, könnten sie indirekt betroffen sein, wenn sie enge Geschäftsbeziehungen zu China unterhalten. Zudem besteht das Risiko zunehmender geopolitischer Spannungen, die Europa zwingen könnten, eine Balance zwischen den USA und China zu finden.
Ausblick
Mit der Einführung dieser Zölle geht Trump weit über seine erste Amtszeit hinaus und verfolgt eine noch härtere Gangart in der Handelspolitik. Besonders die Einführung reziproker Zölle, die sich an den Zollsätzen der jeweiligen Handelspartner orientieren, wird langfristige Auswirkungen haben. In den nächsten 180 Tagen könnten weitere Maßnahmen folgen, sollten betroffene Länder keine Anpassungen vornehmen.
Die US-Zollpolitik unter Trump bleibt somit ein zentrales Thema für die europäische und deutsche Wirtschaft. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es zu einer weiteren Eskalation der Handelskonflikte kommt oder ob Verhandlungen zumindest Teile der Maßnahmen abmildern können. Wir werden die Entwicklungen weiterhin aufmerksam verfolgen.
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