AWB NEWSLETTER US Special Nr. 04/2025
Trumps globales Zollpaket und die Folgen für Deutschland und die EU
Am 3. April 2025 hat US-Präsident Donald Trump mit der Unterzeichnung eines umfassenden Dekrets ein neues Kapitel in der US-Handelspolitik eingeläutet. In einer als „Liberation Day“ inszenierten Rede im Rosengarten des Weißen Hauses erklärte Trump das Ende der bisherigen internationalen Handelsordnung und die Einführung eines flächendeckenden Zollregimes. Mit einem universellen Basissatz von 10 Prozent auf alle Warenimporte sowie deutlich höheren Sätzen für ausgewählte Länder und Produkte will die US-Regierung ausländische Hersteller unter Druck setzen, ihre Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern.
Die Maßnahme hat globale Reichweite: Insgesamt sind Importe aus mehr als 100 Staaten betroffen. Für die meisten Länder gilt ein Sockelzoll von 10 Prozent. Darüber hinaus wurden für ausgewählte Staaten und Produktgruppen deutlich höhere Zollsätze festgelegt. China, das bereits zuvor mit Zöllen in Höhe von 20 Prozent belegt war, wird nun mit einem kombinierten Satz von 34 Prozent belegt.
Auch die Europäische Union bleibt nicht verschont. Für Waren aus der EU wird ein pauschaler Zollsatz von 20 Prozent fällig. Damit stellt sich die US-Regierung offen gegen einen ihrer wichtigsten Handelspartner. Hinzu kommt, dass bestimmte Sektoren gesondert behandelt werden. Für Automobile und Autoteile wurde ein branchenspezifischer Zoll von 25 Prozent eingeführt, der noch in derselben Woche in Kraft tritt. Damit trifft die US-Regierung gezielt einen der wichtigsten Exportsektoren der deutschen Industrie. Auch für Maschinen, chemische Produkte und pharmazeutische Erzeugnisse könnten in Kürze weitere Sonderzölle folgen, entsprechende Ankündigungen stehen im Raum.
Die Auswirkungen auf Deutschland dürften erheblich sein. Die USA sind nach wie vor der wichtigste außereuropäische Exportmarkt für die deutsche Wirtschaft. Im Jahr 2024 beliefen sich die deutschen Ausfuhren in die USA auf mehr als 65 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind die Automobilindustrie, der Maschinenbau sowie die chemisch-pharmazeutische Industrie. Während für viele Produkte der allgemeine EU-Satz von 20 Prozent gelten wird, trifft der sektorenspezifische 25-Prozent-Zoll auf Automobile deutsche Hersteller unmittelbar. Dies wird sich unweigerlich auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf dem US-Markt auswirken. Auch Zulieferketten könnten empfindlich gestört werden, was mittelfristig zu Produktionsverlagerungen oder Standortentscheidungen zugunsten US-naher Länder führen könnte.
Die Reaktion der EU ist deutlich, wenn auch vorerst diplomatisch. Die EU kündigte an, man habe einen umfassenden Katalog an Gegenmaßnahmen vorbereitet. Ziel sei es, europäische Interessen zu verteidigen, ohne vorschnell zu eskalieren. Die Kommission behält sich vor, gezielte Vergeltungszölle zu verhängen, sollte die US-Regierung nicht zurückrudern. Auch eine Digitalsteuer für US-Konzerne ist erneut in Diskussion. Der Ton zwischen Washington und Brüssel wird spürbar rauer.
Eines ist zumindest vorerst sicher: Unmittelbar leiden wird der amerikanische Verbraucher. US-Unternehmen werden die gestiegenen Importkosten erfahrungsgemäß an ihre Kunden weitergeben – mit der zwangsläufigen Folge steigender Preise und einer weiteren Anheizung der Inflation.
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Trumps Schritt markiert nicht nur eine Abkehr vom Prinzip des freien Welthandels, sondern könnte eine neue Phase globaler Protektionismuskonflikte einleiten.
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