AWB NEWSLETTER US Special Nr. 01/2025
Seit dem 20. Januar 2025 ist Präsident Donald Trump (wieder) im Amt; die Ära Trump 2.0 hat begonnen. Bereits am Tag der Amtseinführung hat er eine Kaskade von Präsidialerlassen unterzeichnet. Die US-Handelspolitik wird umgekrempelt - mit weitaus mehr Wirkung als unter Trump 1.0 zwischen 2016 und 2020. Das Lieblingswort von Präsident Trump ist nach eigener Aussage „Tariffs“. Mit der „Zollkeule“ will er nicht nur wirtschaftliche Ziele erreichen, sondern politische Ziele aller Art. Wir werden mit unregelmäßigen Newslettern die Auswirkungen der neuen US-Administration auf die deutsche und europäische Wirtschaft dokumentieren und soweit möglich bewerten.
Zölle auf Importe aus Kanada, Mexiko, China
Am 1. Februar 2025 hat der US-amerikanische Präsident Donald Trump neue Zölle gegen Kanada, Mexiko und China angekündigt. Für alle Waren aus Kanada und Mexiko wird ein Zollsatz von 25 % erhoben, während für chinesische Produkte ein Satz von 10 % gilt. Diese Maßnahmen treten am 4. Februar 2025 in Kraft. Für Kanada und Mexiko folgte mit Dekret vom 3. Februar eine Aussetzung der Zollerhöhungen für 30 Tage.
Als Begründung für die Einführung der höheren Zölle führt die Regierung die anhaltende Einfuhr illegaler Drogen und die unkontrollierte Migration an, die angeblich durch unzureichende Maßnahmen der betroffenen Länder begünstigt werden. Viele Experten halten diese Argumentation für vorgeschoben, da die Ursachen komplexer sind und die Zölle vermutlich anderen politischen Zielen dienen.
Sollte es tatsächlich zu Zöllen auf Importe aus Kanada und Mexiko kommen, werden diese auch Auswirkungen auf deutsche Unternehmen haben, die in Kanada oder Mexiko für den US-Markt produzieren, wie z. B. die deutsche Automobilindustrie und Zulieferer.
Abschaffung der De-minimis-Regelung auf China-Importe
Besonders hervorzuheben ist die Aufhebung der sogenannten De-minimis-Regelung im Handel mit China seit dem 4. Februar 2025. Diese Regelung erlaubte es zuvor, Waren mit einem Wert von bis zu 800 US-Dollar zollfrei in die USA zu importieren. Durch die Streichung dieser Ausnahme werden nun auch geringwertige Sendungen aus China mit Zöllen belegt. Dies betrifft insbesondere den Online-Handel mit günstigen Produkten und wird zu höheren Preisen für US-Verbraucher führen.
Die De-minimis-Regelung steht seit Jahren in der Kritik, da das Einfuhrvolumen geringwertiger Güter aufgrund des gestiegenen Online-Handels exponentiell zugenommen hat, vorrangig aus China. Es ist davon auszugehen, dass die Regelung unter Trump 2.0 gegenüber allen Ländern gestrichen werden wird.
Handelspolitische Auswirkungen auf die EU
Neben Kanada, Mexiko und China könnte demnächst auch die Europäische Union (EU) betroffen sein. Trump kritisierte die ungleiche Handelsbilanz zwischen den USA und der EU, insbesondere in den Bereichen Automobil- und Agrarprodukte. Diese Ankündigungen haben in Europa Besorgnis ausgelöst. Vertreter der EU warnten vor negativen Folgen für europäische Lieferketten, da diese eng mit China verknüpft sind. Sollten chinesische Exporte mit US-Zöllen belegt werden, könnte dies bestehende Überkapazitäten in China weiter verschärfen. Dies würde den Preisdruck auf chinesische Waren erhöhen und dazu führen, dass verstärkt günstige Produkte auf den europäischen Markt gelangen. Infolgedessen könnte die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen weiter geschwächt werden.
Zölle auf Stahl und Aluminium
In einer kürzlich unterzeichneten Proklamation hat Präsident Trump die Zölle auf Aluminiumimporte von zuvor 10 % auf nun 25 % angehoben. Diese Maßnahme tritt am 12. März 2025 in Kraft. Zudem wurden die bislang geltenden Ausnahmeregelungen und Quotenvereinbarungen für Stahlimporte aufgehoben, wodurch nun für alle Stahlimporte ein einheitlicher Zollsatz von 25 % gilt. Diese Maßnahmen sollen den Schutz der heimischen Industrie gewährleisten und richten sich insbesondere gegen Länder, die in den Augen der US-Regierung durch staatliche Subventionen oder andere Handelspraktiken den internationalen Wettbewerb verzerren. Die neuen Zölle betreffen eine Vielzahl von Staaten, darunter die EU, China, Kanada und Mexiko.
Einführung reziproker Zölle erga omnes
Trumps handelspolitischer Ansatz geht jedoch über die klassischen Zollerhöhungen hinaus. Die Regierung plant Maßnahmen, die darauf abzielen, amerikanische Importzölle an die jeweiligen Zoll- und Steuerlasten der Handelspartner anzugleichen. Konkret bedeutet dies, dass die USA Zölle in der Höhe erheben könnten, die ausländische Märkte für amerikanische Waren ansetzen. Die von Trump propagierte Reziprozität beschränkt sich nicht nur auf Zölle, sondern umfasst auch andere Handelshemmnisse, sogenannte nichttarifäre Barrieren. Dazu zählen unter anderem Steuern, Subventionen sowie unterschiedliche Standards und Vorschriften, die den Marktzugang erschweren. Trump kritisiert insbesondere, dass die EU einen höheren Mehrwertsteuersatz erhebt, was seiner Meinung nach zu einem Ungleichgewicht im Handel führt.
Die neuen Zölle sollen innerhalb der nächsten 180 Tage in Kraft treten. In dieser Zeit haben die betroffenen Länder die Möglichkeit, mit den USA zu verhandeln, um mögliche Ausnahmeregelungen oder Anpassungen zu erreichen. Die US-Regierung hat signalisiert, dass sie offen für bilaterale Gespräche ist, um faire Handelsbedingungen zu schaffen.
Die geplanten Zollerhöhungen betreffen sowohl strategische Konkurrenten als auch Verbündete der USA. Besonders im Fokus stehen Länder mit einem hohen Handelsüberschuss gegenüber den USA, wie China, Deutschland und Japan. Aber auch Partnerländer wie Kanada und Mexiko sind von den Maßnahmen nicht ausgenommen. Die EU insgesamt wird ebenfalls von den neuen Zöllen betroffen sein, insbesondere in Schlüsselindustrien wie der Automobil- und Maschinenbauindustrie.
Deutschland ist der größte Stahlproduzent der EU und weltweit der siebtgrößte. Im Jahr 2024 exportierte Deutschland rund 1,1 Millionen Tonnen Stahl im Wert von 2,1 Milliarden US-Dollar in die USA. Die geplanten Zollerhöhungen könnten daher erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Stahl- und Aluminiumindustrie haben. Zudem ist die Automobilindustrie, ein zentraler Pfeiler der deutschen Wirtschaft, von den reziproken Zöllen betroffen. Die USA kritisieren seit langem die ungleichen Zollsätze im Automobilsektor, bei denen die EU einen Satz von 10 % erhebt, während die USA nur 2,5 % verlangen. Eine Anpassung dieser Zölle könnte die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Automobilhersteller auf dem US-Markt beeinträchtigen.
Die geplanten Zollerhöhungen stoßen international auf Kritik. Experten warnen vor möglichen Handelskriegen und negativen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. Innerhalb der USA gibt es Bedenken, dass höhere Importzölle zu steigenden Preisen für Verbraucher führen und die Inflation anheizen könnten. Zudem befürchten einige, dass die US-Wirtschaft durch mögliche Gegenmaßnahmen der Handelspartner selbst Schaden nehmen könnte. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, kurzfristig auf US-Zölle reagieren zu wollen.
Ausblick
Abschließend bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt und welche Gegenmaßnahmen die betroffenen Länder ergreifen werden. Die kommenden Monate dürften entscheidend für die zukünftige Ausgestaltung des internationalen Handels sein. Wir werden darüber informieren.
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