AWB NEWSLETTER US Special Nr. 08/2025 vom 22.08.2025
EU-USA Handelsdeal: Rahmenabkommen wird bekanntgegeben
Am 21. August 2025 haben die Europäische Union und die Vereinigten Staaten eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie ein Rahmenabkommen für einen „reziproken, fairen und ausgewogenen Handel“ ankündigen. Bei der Vereinbarung handelt es sich bislang nicht um ein rechtsverbindliches Abkommen, sondern um eine politische Absichtserklärung. Die formellen Umsetzungen, die eine rechtliche Bindung entfalten könnten, müssen erst noch in Gesetzes- oder Verordnungsform erfolgen und sowohl auf europäischer als auch auf amerikanischer Seite parlamentarisch abgesichert werden. Damit bleibt offen, ob die Ankündigungen tatsächlich in einen belastbaren Vertrag münden oder in den kommenden Monaten noch erheblich nachjustiert werden.
Kern des angekündigten Deals ist die Festlegung, dass für die überwiegende Mehrzahl europäischer Warenexporte in die Vereinigten Staaten künftig ein Zollsatz von 15 % gelten soll. Dieser Satz wirkt als Obergrenze, wobei er den bestehenden MFN-Zollsatz einschließt. Sollte der MFN-Zollsatz für bestimmte Produkte über 15 % liegen, findet dieser Anwendung, andernfalls bleibt es bei der 15-%-Regelung. Damit soll ein pauschaler universaler Zoll von 30 %, der zwischenzeitlich von Washington angekündigt worden war, vermieden werden. Für die europäische Industrie ist dies zwar eine Entlastung im Vergleich zum drohenden Szenario, gleichwohl bedeutet auch die 15-%-Belastung einen erheblichen Wettbewerbsnachteil.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Ausnahmen, die im Rahmen des Abkommens zugesichert wurden. Für den Pharmabereich sowie für die Luftfahrtindustrie, die traditionell enge transatlantische Verflechtungen aufweist, sollen Zölle vollständig entfallen. Flugzeuge, Flugzeugteile und bestimmte pharmazeutische Produkte bleiben damit zollfrei, ebenso ausgewählte Chemikalien und natürliche Ressourcen, die in den USA nicht vorkommen. Diese zero-for-zero-Regelung gilt als Signal, dass beide Seiten sensible Industrien schützen wollen, in denen die Abhängigkeiten besonders hoch sind. Zugleich werden Stahl- und Aluminiumimporte ausdrücklich von den Erleichterungen ausgenommen, sodass sie weiterhin mit 50 % belastet bleiben. Die US-Regierung hat zudem offengelassen, bei Bedarf höhere Sätze einzusetzen oder bestehende Zollkontingente für diese Sektoren neu zu ordnen.
Aus europäischer Sicht besonders kritisch ist die Tatsache, dass die Vereinbarung nicht nur die Zollregelungen betrifft, sondern auch den Bereich regulatorischer Vorgaben berührt. Die Europäische Union hat sich in der Erklärung bereit gezeigt, in Fragen der Nachhaltigkeitspolitik auf die Vereinigten Staaten zuzugehen. Genannt wurden unter anderem der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), die Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR), die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) sowie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). In allen diesen Bereichen signalisiert Brüssel, dass es zu Anpassungen bereit sein könnte, um den Verhandlungen mit Washington nicht im Wege zu stehen. Damit relativiert die EU eigene Projekte zur Stärkung nachhaltiger Lieferketten und zur Transparenz unternehmerischen Handelns.
Die Einigung wird von der EU-Seite als notwendiger Kompromiss dargestellt, um einen unmittelbar drohenden Handelskrieg abzuwenden. Kritiker hingegen sprechen von einem unausgewogenen Deal, der vor allem den Vereinigten Staaten zugutekommt und die Verwundbarkeit Europas deutlich macht. Die politischen, technologischen und militärischen Abhängigkeiten vom transatlantischen Partner werden durch die Erklärung noch einmal vor Augen geführt. Zwar konnte die EU verhindern, dass ein sofortiger Zollschock mit einer Belastung von 30 % eintritt, doch bleibt die wirtschaftliche Belastung durch die nun vorgesehenen 15 % erheblich.
Für Deutschland und Europa bedeutet die politische Vereinbarung eine Atempause, aber keine wirkliche Entwarnung. Die Aussetzung der bereits vorbereiteten europäischen Gegenzölle nimmt den unmittelbaren Druck von den Unternehmen, doch zugleich bleibt offen, ob Washington die Zusagen langfristig einhält oder ob neue Eskalationsstufen bevorstehen. In jedem Fall ist klar, dass die europäische Wirtschaft auch weiterhin unter erheblichem Anpassungsdruck stehen wird und sich auf eine Phase erhöhter Unsicherheit einstellen muss.
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